HP Plakat Heinz Erhardt 2

„Noch'n Gedicht“ - Erinnerungen an Heinz Erhardt


Dienstag, den 19.09.2019 um 15:00 Uhr
Volksbildungswerk (VBW) Klarenthal
Salon "Liesel", Goerdelerstraße 47
65197 Wiesbaden

Eintritt frei

„Ich heiße nicht nur Fritz Dämlich, sondern Sie auch herzlich willkommen.“
Mit solchen Sprüchen trat er auf die Bühne und das Publikum lag ihm zu Füßen.

Fast 40 Jahre ist er nun schon tot, aber Heinz Erhardt ist heute noch ein bekannter und beliebter Kabarettist, Dichter, Musiker, Entertainer. Er wurde zum Symbol des Wiederaufbaus nach dem Krieg. Wir wollen ein Porträt dieses großartigen Humoristen zeichnen. Dazu hören Sie Gedichte und Anekdoten, Auszüge aus seiner Autobiografie und einige seiner Kompositionen für Klavier.

„Wir wollen heute ausnahmsweise mit dem Anfang beginnen“, witzelte er oft bei seinen Auftritten. Heinz Erhardts Anfang liegt in Riga, im Baltikum.

„20. Februar 1909. Das Thermometer zeigte 11 Grad minus und die Uhr 11 Uhr vormittags, als vor unserem Haus das Hauptwasserrohr platzte. Im Nu war die Straße überschwemmt und im gleichen Nu gefroren. Die Kinder kamen zuhauf, um auf ihren Schuhen Schlittschuh zu laufen. Ich selbst konnte mich an diesem fröhlichen Treiben nicht beteiligen, weil ich noch nicht geboren war. Dieses Ereignis fand erst gegen Abend statt, und da war die Eisbahn längst gestreut.“

So beschreibt Heinz Erhardt seine Geburt in seiner unvollendeten Autobiografie mit dem Titel „Ich war eine frühentwickelte Spätausgabe". Ort dieses Geschehens war Riga, die Hauptstadt der russischen Provinz Lettland. Zeitpunkt das Jahr 1909, also vor dem Ersten Weltkrieg.

Schon kurz nach der Geburt trennten sich die Eltern: Der Vater reiste als bekannter Kapellmeister durch die deutschen Theaterstädte und machte Karriere, die Mutter ging nach St. Petersburg. Heinz kam zu den Großeltern mütterlicherseits. Der Großvater Paul Nelder besaß ein großes Musikhaus und sorgte dafür, dass Heinz bereits mit vier Jahren das Klavierspiel lernte. Heinz liebte seine Großeltern heiß und innig.

Kurz vor seiner Einschulung holte ihn seine Mutter nach Petrograd.

„Es war im Herbst 1916, als mich meine Mutter raubte und nach Petrograd brachte, weil sie mich mit dem Stiefvater Numero 1 bekannt machen wollte. Ich war sieben Jahre alt. Durch die Vororte Petrograds puffte damals eine mit Dampf betriebene Eisenbahn, die die anliegenden Häuser reichlich mit übel riechendem Rauch versorgte. Die ausschließlich armen Leute in dieser Gegend aber murrten nicht. Im Gegenteil. Sie hingen nicht nur an ihrer Dampfbahn, sondern auch rohe Heringe an die Fensterkreuze, um sie nach mehrmaliger Vorbeifahrt der Straßenbahn frisch geräuchert zu verzehren.“

Es war ein kurzes Intermezzo in St. Petersburg, Heinz hatte solches Heimweh nach den Großeltern, dass er nach Riga zurückkehren durfte. In der Zwischenzeit hatte der Erste Weltkrieg begonnen und die Russische Revolution machte das Leben noch unsicherer.

Mehr über sein Leben erfahren Sie von den Dichterpflänzchen in der Veranstaltung am 19. September im Stadtteilcafé Klarenthal.